02/2009 - Westfalenblatt

Poesie in Pixelpunkten

Deutsche Bank zeigt Ausstellung von Winfried Becker
Seine Arbeiten sind nicht einfach nur bunte Flächen. Und erst recht keine Aquarelle. Die poetische Malerei, die Winfried Becker ausstellt, ist vielmehr Fotografie.

»Lichten« heißt der Titel der Schau. »Lichten« dürfe man durchaus auch seine Gedanken beim Betrachten der 28 teils großformatigen Arbeiten, lud Reiner Kuhn, Vorstand des Gütersloher Kunstvereins, in seinem Einführungsvortrag vor einer beträchtlichen Anzahl an Eröffnungsgästen ein. Wie kann man Alltagsgegenstände, Natur und Mensch so weit abstrahieren, dass sie »wie gemalt« aussehen? »Ohne nachträgliche Bearbeitung der Fotos mit entsprechender Bildbearbeitungssoftware jedenfalls«, stellt Künstler Winfried Becker klar. Das Geheimnis seiner Bilder ist die möglichst geringe Auflösung, mit der die Motive auf den Chip der Digitalkamera gebannt werden. Vergrößert man diese anschließend weiter bis auf einzelne Pixelpunkte, entstehen sogar wolkenartige Gebilde, Verlaufsabrisse, Schatten und Lichtquellen, die je nach Ausleuchtung der Bilder sogar noch changieren. »Ich möchte den Betrachter mit der ihm eigenen, inneren Bildwelt konfrontieren«, sagt Winfried Becker über die angestrebte Wirkung seiner Bilder, die ihrer Ursprungsfunktion dadurch bewusst beraubt sind, dass nicht die Wirklichkeit einzelner Objekte fotorealistisch dargestellt wird, sondern das Wesen des jeweiligen Gegenstandes. Das können Blüten aus der Natur sein oder auch schon mal unspektakuläres Vanilleeis. Den Ausdruck in seiner Bildersprache empfinde er als Kraftspeicher für den Alltag, sagt der 40-jährige gebürtige Gütersloher.